← Zur Übersicht
Digitale Animation

"Zwischen Riss und Schlag" von Ana Maric

Reaktion auf Günther Uecker - Geteiltes Bild, 1986

Meine Arbeit setzt sich mit dem Werk „Geteiltes Bild“ von Günther Uecker auseinander. Uecker ist besonders für seine sogenannten Nagelreliefs bekannt, bei denen er zahlreiche Nägel in Leinwand oder Holz einschlägt und dadurch dreidimensionale Oberflächen entstehen lässt. Durch diese Struktur verändert sich das Erscheinungsbild seiner Werke je nach Blickwinkel und Lichteinfall: Licht und Schatten erzeugen durch ihr Zusammespiel Bewegung auf der Bildoberfläche.

Im Werk „Geteiltes Bild“ spielt auch der körperliche Arbeitsprozess eine zentrale Rolle. Die Leinwand wird zunächst direkt mit den Fingern bearbeitet und bemalt, anschließend durch einen rissartigen Eingriff in zwei Hälften geteilt. Danach schlägt Uecker eine Vielzahl von Nägeln in das Bild ein. Besonders um die Mitte herum entsteht dadurch ein dynamisches, strudelartiges Zentrum. In vielen seiner Werke verbindet Uecker dabei gegensätzliche Aspekte wie Zerstörung und Heilung: Der gewaltsame Eingriff in das Material führt gleichzeitig zur Entstehung eines neuen Bildes.

Meine praktische Arbeit greift diesen Gedanken auf und richtet den Fokus auf den Entstehungsprozess des Werkes. In einer Animation, bestehend aus drei Szenen, werden zentrale Handlungsschritte des Künstlers sichtbar gemacht. Rote Markierungen heben die Stellen hervor, an denen in das Material eingegriffen wird – etwa beim Aufreißen der Leinwand oder beim Einschlagen der Nägel. Ergänzend unterstützen Soundeffekte die Wahrnehmung der körperlichen Arbeit und vermitteln einen Eindruck von der Energie und Intensität, die in den Entstehungsprozess einfließen und ihn verdeutlichen.

Während das ursprüngliche Werk vor allem durch seine Oberfläche und das Spiel von Licht und Schatten wirkt, eröffnet meine Animation eine zusätzliche Perspektive: Sie macht sichtbar, welche Handlungen und Prozesse hinter dem fertigen Bild stehen. Die Arbeit versteht sich daher als Versuch, den Blick der Betrachter*innen vom fertigen Kunstwerk auf dessen Entstehung zu lenken und so eine neue Form der Auseinandersetzung und der Perspektive mit Ueckers Werk zu ermöglichen.